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MOZARTS MONSTER

Christian Ecker und die Zauberflöte

Von allen Opern Mozarts und vielleicht mehr als jedes andere musikdramatische Werk aus früheren oder späteren Epochen hat die "Zauberflöte" die Fantasie des Publikums am meisten beschäftigt. In kein anderes Bühnenwerk wurde von praktischer Interpretenseite und professionellen Werkdeutern mehr hineingeheimnist als in jenes eigentümlich paradoxe, zwischen Banalität und Weisheit schwankende, mit Menschheitsgedanken überfrachtete und zugleich naive "Machwerk" der Wiener Vorstadt aus dem verblühenden achtzehnten Jahrhundert. Was die Magie dieser "Oper aller Opern" wirklich ausmacht, bleibt jedoch unenträtselt und wird weiterhin Treibstoff liefern für Regieübermut und Besucherunmut. Denn nichts scheint auf der Bühne schneller zu altern als die Auslegungen und Bebilderungen dieses ausgedehnten Kampfes zwischen Gut und Böse, edlem Menschentum und höllisch-verführerischer Verderbtheit.

Für den Salzburger Künstler Christian Ecker ist das populäre, allseits beliebte schikanedersche Zauberpersonal von bedrohlicher Fremdartigkeit - beinahe wie "Aliens" aus anderen Galaxien. Mit einer an der toskanischen Frührenaissance orientierten, überaus kühlen Stilistik erscheinen die überdimensionalen, berühmten "Monster" des Positiven wie Negativen. Eckers statuarische Mozart-Wesen vereinen handgreiflichen Detail-Realismus , maskenhafte Verschlossenheit und bizarre Fantastik. Mögen sie in der Designerrobe posieren wie die Königin der Nacht, feierlich-urtümliche Kopfbedeckungen tragen wie das Trio der Damen und Knaben, als moderner Wilder daherkommen wie Monostatos oder auf einer Harley dahinrauschen wie Sarastro. Sie alle sind Geschöpfe ohne Bezug zu Zeit und Ort. Christian Ecker löst sie aus allem heraus, was epochenbindend sein könnte. Er zeigt sie als sehr ferne und zugleich außerordentlich nahe, postmoderne, modische Wesen ohne erkennbares Innenleben. Das steigert das Beeindruckende ihrer Erscheinung ins Ungeheuerliche.
Anton Gugg

www.christian-ecker.com

 
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